Nach einigen Jahren Pause

von LePenseur
 
 
... ist gestern der mir schon als erloschen vorkommende Blog Superpelliceum wieder aktiv geworden (wenn auch nur mit einer kleinen "Eruption" ...), was mich dazu veranlaßte kurz nachzusehen, wann (und worüber) eigentlich das vorherige Posting war. Eh voilà ... hier ist es:

Zwischen den ganzen "Influenza" (Monika Gruber)- Videos und sonstigen Unnötigkeiten findet sich eine Perle aus dem Archiv des ZDF: Eine Reportage plus Pfingstgottesdienst aus dem Jahre 1973. Gemacht hat den Film Werner Kaltefleiter, gefilmt wurde in der notorischen Pfarrei St. Ludwig in Ibbenbüren. Die Kirche ist frisch ausgeräumt und weiß gefliest, die japanische Flagge in der Apsis ist frisch gemalt, die liturgischen Tänzerinnen noch in der Blüte ihrer Jahre, in den intellektuell hochmögenden Gesprächskreisen wird noch gequalmt und gesoffen. Alles hat noch den Duft des Aufbruchs, der Fortschritts, der allgemeinen Wichtigkeit.

Es gäbe viel zu schreiben, was der Film alles an Erinnerungen an die eigene Kindheit auslöst, dieses Lebensgefühl in den 1970ern. Vielleicht dazu an anderer Stelle demnächst etwas mehr. Was aber den Film besonders auszeichnet ist die strenge Freudlosigkeit, die Humorlosigkeit, die sich zuvörderst aus der allgemeinen Wichtigkeit des Gemeindekaders speist.
Lesen ist gut, weiterlesen noch besser ... aber den im Artikel vom 13. August 2022 am Ende zu findenden nackten Link auf die ZDF Pfingstmesse 1973 aus Ibbenbüren will ich "embedden", damit sich keine falsche "Hemmschwelle" aufbaut, ihn anzuklicken – obwohl Kollege Laurentius Rhenanius, der den besagten Blog zum Glück (wieder-) betreibt, dem Link die herbe Mahnung vorausschickt:
Wer die Nerven für eine Zeitreise hat,
https ... 
Ich denk' mir: wer den LePenseur-Blog liest, der muß gute Nerven haben, sogar für die Zeitreise ins Jahr 1973 ...
 
 
Die Bild- und Tonqualität ist überschaubar gut ... naja, 1973 halt. Aber was den Film zum Genuß macht, ist genau das, was Kollege Laurentius Rhenanius im Artikel so trefflich beschrieb:
Alles ist gewichtig, ernst, (un)tief bzw. pseudotief. Alle wollen  mit von der Partie sein, keiner will als altmoderner Provinzdödel gelten. Es ist wie die Parole "alles ist politisch" der Linken in kirchlicher Ausprägung, Zeitgeist (viel aus der Zeit, wenig Geist), und kommt genauso spießig daher wie der ostdeutsche Sozialismus! Der Pfarrer als Revolutionsführer im Kollektiv der Kirchentätigen.
Nur beim folgenden Satz weiß ich nicht, ob ich ihn unterschreiben kann:
Es ist alles, nur nicht katholisch!
Nun ist LePenseur selbst wohl nicht katholisch genug, um derlei Urteile
fällen zu dürfen (und noch dazu ausgetreten, von den ketzerischen Ansichten über alles mögliche gar nicht zu sprechen!) ... aber: er entsinnt sich diverser Messen in weitaus rezenteren Jahren als 1973, die ihm gleich verkrampft-scheußlich-verlogen vorkamen und dennoch unter dem Titel "katholischer Gottesdienst" gehalten wurden (aber vielleicht waren auch die alles, nur nicht ...)
 
Wie auch immer: ein echtes Zeitdokument! Der Regisseur kann stolz sagen: Exegi Monumentum aere perennius!Und LePenseur nimmt den Satz des geschätzten Kollegen:
Der Pfarrer als Revolutionsführer im Kollektiv der Kirchentätigen.
mit herzlichem Dank in seine Sammlung "merk-würdiger"
Sätze auf. Und mit dem Video die derzeit dringlich benötigte Tröstung: wenn derlei peinlicher Unfug innert weniger Jahrzehnte "versungen und vertan" ist, dann sind es auch hoffentlich die Peinlichkeiten unserer Zeit in einigen Dekaden ... wenn man kopfschüttelnd von 365+ Facebook-Geschlechtern liest, oder anderen Jux, den unsere Obertanen sich so zur Ablenkung der misera plebs ausdenken ...
 

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