Heute vor 110 Jahren

von LePenseur
 
 
... also am 27. Mai 1916, beendete Richard Strauss in Garmisch die heute in den Opernhäusern der Welt so gut wie ausschließlich gespielte Neufassung der Oper Ariadne auf Naxos
 
Die ursprüngliche Fassung, die sich als Neu-Kreation eines "barocken Gesamtkunstwerks", bestehend aus Schauspiel (Molières "Bürger als Edelmann"), Ballett und Oper (eben: "Ariadne auf Naxos"), wobei diese wiederum sowohl opera seria wie opera buffa in sich vereinen sollte, war einfach ein viel zu ambitioniertes Unterfangen, als daß das Publikum sich davon wirklich angesprochen gefühlt hätte: der Opern-Fan fand die Molière-Komödie zu wenig interessant, der Ballett-Fan war mit den Tanzeinlagen nicht wirklich zufrieden, der Schauspiel-Besucher fand den Rest eher zu langatrmig ... kurzum: keiner war wirklich zufrieden.
 
Und so faßte Hugo von Hofmannsthal den Entschluß, das Werk, statt es in einer Schublade verstauben zu lassen, durch eine Totalrevision mit neuem Leben zu erfüllen — und: es gelang! Freilich mußte zuerst der Komponist Richard Strauss davon überzeugt werden (was bei dessen Dickköpfigkeit keineswegs einfach war!), zu etwas bestehendem etwas dazu Passendendes zu komponieren (was weitaus schwieriger ist als jede Neukomposition). Aber das Ergebnis konnte sich dann sehen — und v.a. hören lassen!
 
Hier die legendäre Interpretation der revidierten Ariadne unter der behutsamen Stabführung von Karl Böhm, mit einem wirklich idealen Ensemble von Sänger-Schauspielern ... Walter Berry als Musikmeister (in etwas anachronistischer Bach-Aufmachung), v.a. der großartige Erich Kunz (früher selbst ein gefeierter Sänger), als Haushofmeister nun die einzige Sprechrolle des Stückes, der nicht weniger hinreißend agierende Heinz Zednik als zynisch-weltklug tändelnder Tanzmeister, die Janowitz als Diva par excellence und René Kollo als proto-typischer Tenor und natürlich Edita Gruberova als wirklich unvergleichliche Zerbinetta ... das neukomponierte "Vorspiel" könnte nicht besser aufgeführt werden! Aber sehen Sie selbst ...
 
 
LePenseur gesteht: nach diesem Vorspiel voll Witz und Eloquenz hat ihn schon beim seinerzeitigen erstmaligen Ansehen des Werkes in der Wiener Staatsoper der zweite Teil des Werkes, die eigentliche Oper "Ariadne auf Naxos", weniger angesprochen (so originell die Verquickung von seria und buffa von Strauss/Hofmannsthal auch gelöst wurde!) ... und fast möchte man sagen: der Tanzmeister hatte mit seiner beiseite gesprochenenen Meinung "Die Oper hat Längen!" nicht ganz unrecht ... noch immer nicht ganz unrecht, trotz des ständig dazwischenwirbelnden Buffo-Ensembles ... zwar nicht ganz so, daß es ist (um hier nochmals den Tanzmeister zu zitieren) "um stehend einzuschlafen", aber halt doch etwas — mühsam ... 
 
Mit einer Einschränkung: der neukomponierte Schluß der Oper, den der Strauss-Biograph Ernst Krause als einen "Notschluß" etwas abqualifizierte, sondern er ist vielmehr ein fürwahr grandioses Finale, das den Abend keineswegs notdürftig, sondern fulminant beschließt!
  

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