Der Schriftsteller August Winnig

von LePenseur
 
 
... der heute leider so gut wie völlig in Vergessenheit geraten ist, ist heute vor 70 Jahren gestorben. Vor zehn Jahren war auf diesem Blog eine ausführliche Würdigung seines Schaffens und seiner Person zu lesen, zu deren (Wieder-)Lektüre die geneigten Leser dieses Blogs herzlich eingeladen sind:
In memoriam August Winnig
 
Heute vor sechzig Jahren, am 3. November 1956, ist der deutsche Gewerkschafter, Politiker und Schriftsteller August Winnig zu Bad Nauheim gestorben. Die äußeren Lebensdaten gibt Wikipedia halbwegs erschöpfend, die gewohnten Seitenhiebe auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 erfolgen sogar in vergleichsweise zurückhaltender Form: offenbar will man einem ehe-maligen Sozen doch nicht zu sehr ans Bein pinkeln …

Nur im Abschnitt „Zitate“ tobt man sich aus: da werden aus einem mehrtausendseitigen Gesamtwerk gerade mal vier Zitate gebracht, von denen drei … ähm … seltsamerweise nur eine einzige Seite Winnigs beleuchten wollen: den Krypto-Nazi und unverbesserlichen Antisemiten. Das vierte (und recht lange, daher von den meisten kaum zur Gänze gelesene) besagt zwar das Gegenteil — doch „man merkt die Absicht und ist verstimmt“: auch die drei „griffigen“ Zitate „stimmen“ zwar, aber sie sind ohne ihren Zusammenhang, und eben auch ohne die hundertfach (!) möglichen, völlig anderen Zitate ausgewählt, die Winnig (und auch diese seine Zitate) in ganz anderem Licht zeigen würden. Das ist etwa so „objektiv“, wie wenn man in einem Artikel über Goethe nur sein sattsam bekanntes Diktum aus dem „Götz von Berlechingen“ brächte, und anhand dessen insinuieren wollte, Goethe wäre eben doch bloß ein Fäkaldichter gewesen … 
Einige Jahre zuvor wurde über ihn hier auch unter dem Aspekt des Begriffs "Europäertum" gehandelt und in meinem Gedenkartikel über Generalfeldmarschall August v. Mackensen wird er mit einem Zitat erwähnt.
 
August Winnigs Werke seien jedenfalls in ihrer ziemlich einzigartigen Mischung aus politischem Zeit-zeugnis und poetischer Autobiographie zur Lektüre empfohlen, über die ich seinerzeit schrieb:
[...] was kann uns August Winnig heute noch sagen? Zunächst als Dichter: hier gibt es wenig erfrischendere Lektüren als die Reihe seiner autobiographischen Schriften. Frührot. Ein Buch von Heimat und Jugend (1919) und Das Buch Wanderschaft, Winnigs Erlebnisse als Maurergeselle (1941), bezaubern durch ihre lebendige Darstellung des heranreifenden Autors und seiner Zeit. Der weite Weg (1932) und Heimkehr (1935) berichten von Winnigs Tätigkeit als Gewerkschafter, als Reichsgesandter im Baltikum und als Oberpräsident Ostpreußens bis zum Kapp-Putsch: es gibt nicht viele Werke, die eine an sich doch eher trockene Materie mit so großer innerer Spannung erfüllen können, und sind turmhoch über landläufiger Memoiren-literatur angesiedelt! 
Leseempfehlung für diesen ebenso stilsicheren wie charaktervollen Autor! 
 

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